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Pflegereform 2027: Taschenspielertricks statt echter Lösungen!

  • 17. Juli
  • 5 Min. Lesezeit
Pflegereform 2027

Am 3. Juni 2026 ist im politischen Berlin die Bombe geplatzt: Der Referentenentwurf für das neue Pflegeneuordnungsgesetz (PNG) wurde vorgelegt. Wer gehofft hatte, dass die Politik endlich wegweisende Innovationen auf den Weg bringt, um die chronisch überlasteten Mitarbeiter in der Pflege zu entlasten und der drohenden Pflegekrise entschieden entgegenzuwirken, wird bitter enttäuscht. Als langjährige, unabhängige Pflegeberaterin macht mich dieser Entwurf fassungslos. Wenn ich auf der Bühne stehe und einen Vortrag über die Zukunft der Pflege halte, betone ich immer, dass wir echte Reformen brauchen. Doch was hier unter dem Deckmantel einer großen Pflegereform ab 2027 verkauft werden soll, ist bei genauerem Hinsehen ein bürokratischer Taschenspielertrick, der finanzielle Einschnitte kaschiert und pflegende Angehörige massiv im Regen stehen lässt.


Gerade im Alter sind Menschen auf verlässliche Unterstützung angewiesen. Doch statt das System zukunftsfähig zu gestalten, erhöht das Pflegeneuordnungsgesetz die Hürden für den Zugang zu Leistungen drastisch. Das ist auch ein zentrales Thema, das ich in meinem Vortrag detailliert beleuchte. Wir müssen uns der Realität stellen: Die Pflegekrise verschärft sich täglich, weil qualifizierte Fachkräfte fehlen und die Belastungsgrenzen der pflegenden Familien längst überschritten sind. Wenn wir jetzt nicht laut werden, droht ein sozialer Kahlschlag, der uns im Alter alle betreffen wird.


Das neue Pflegeneuordnungsgesetz: Ein Etikettenschwindel bei den Budgets

Die geplante Pflegereform sieht vor, nahezu alle bisherigen Leistungstöpfe ab dem 1. Januar 2027 komplett umzustrukturieren. Künftig soll es ein sogenanntes „Sachleistungsbudget“ (für ambulante Dienste) und ein „Entlastungsbudget“ (als Ersatz für das klassische Pflegegeld) geben. Auf den ersten Blick wird mit vermeintlichen Erhöhungen geworben. Doch das ist reine Makulatur, wie ich in fast jedem Vortrag vor Fachpublikum aufzeige.


Aus dem neuen Entlastungsbudget müssen künftig beispielsweise die zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmittel im Wert von 42 Euro monatlich selbst bezahlt werden – dieser Anspruch fällt einfach weg. Rechnet man diesen Verlust gegen, bleibt bei den Pflegegraden 2 und 3 unter dem Strich sogar ein Minus übrig. Das ist keine Entlastung, das ist ein Sparprogramm auf dem Rücken derer, die ohnehin jeden Cent zweimal umdrehen müssen. Wo bleiben hier die dringend benötigten Innovationen, um die häusliche Pflege im Alter zu erleichtern?


Besonders perfide: Wer ab 2027 neu in die Pflegegrade 2 und 3 eingestuft wird, erhält in den ersten drei Monaten nur noch die Hälfte des Entlastungsbudgets. Begründet wird diese Kürzung mit einer neuen „Pflegebegleitung“, die jedoch erst ein Jahr später, also 2028, eingeführt werden soll. Man nimmt den Betroffenen sofort das Geld weg für eine Leistung, die es erst viel später geben wird – ein schelmischer Geniestreich der Politik. In einem aktuellen Vortrag zu den Themen Pflegekrise, Fachkräfte, Mitarbeiter, Alter und Innovationen habe ich diese Praxis bereits scharf kritisiert, da sie die Pflegekrise im privaten Raum nur noch weiter verschärft.


Der Wegfall der Verhinderungspflege und die Realität der Fachkräfte

Die Verhinderungspflege war bisher eine der wichtigsten Säulen der häuslichen Pflege. Sie ermöglichte es Angehörigen, sich durch Nachbarn, Freunde oder Bekannte (die klassische „Liesel Müller“) stundenweise vertreten zu lassen, um selbst einmal durchzuatmen. Das neue Pflegeneuordnungsgesetz schafft diese bewährte Leistung in ihrer bisherigen Form faktisch ab.


Stattdessen wird die Ersatzpflege in die anderen Budgets integriert. Eine selbstorganisierte Ersatzpflege durch Privatpersonen muss künftig mühsam aus dem ohnehin gekürzten Entlastungsbudget querfinanziert werden. Das sogenannte „Überbrückungsbudget“, das Kurzzeit- und Verhinderungspflege ersetzen soll, wird im Vergleich zu den bisherigen Ansprüchen drastisch zusammengestrichen:

  • Pflegegrad 2 und 3: Reduzierung um jährlich 1.684 Euro (nur noch 1.855 Euro statt bisher 3.539 Euro).

  • Pflegegrad 4 und 5: Reduzierung um jährlich 1.254 Euro (nur noch 2.285 Euro).


Zudem darf dieses reduzierte Überbrückungsbudget ausschließlich für professionelle, zugelassene Dienste genutzt werden. Privatpersonen dürfen daraus nicht mehr bezahlt werden. Doch woher sollen diese Dienste kommen? Wir haben in Deutschland einen eklatanten Mangel an ambulanten Diensten, weil uns schlichtweg die Fachkräfte fehlen. Wenn keine Fachkräfte da sind, nützt auch das schönste Budget auf dem Papier nichts. Genau diese Lücke zwischen Gesetzestext und realer Versorgung ist es, die mir bei jedem Vortrag von betroffenen Familien zurückgespiegelt wird. Die Pflegekrise lässt sich eben nicht durch reine Verwaltung lösen.


Die schwindende Wertschätzung für pflegende Mitarbeiter in der Familie

Die größte Pflegegruppe in Deutschland sind nicht die Heime, sondern die pflegenden Angehörigen. Sie sind die heimlichen Helden unseres Gesundheitssystems. Doch statt diese wertvollen Mitarbeiter der familiären Pflege zu stärken, plant das Pflegeneuordnungsgesetz herbe Einschnitte:

  1. Kürzung der Rentenpunkte um 30 %: Wer seine Arbeitszeit reduziert, um die eigenen Eltern im Alter zu pflegen, wird im eigenen Alter mit einer noch geringeren Rente bestraft.

  2. Wegfall der Flexirente: Auch bereits pensionierte Angehörige, die durch die Pflege ihre Rente noch etwas aufbessern konnten, gehen künftig leer aus.

  3. Wegfall des Entlastungsbetrags für Pflegegrad 1: Die bisherigen 131 Euro monatlich fallen für Pflegegrad 1 komplett weg. Damit wird vielen älteren Menschen die Möglichkeit genommen, sich frühzeitig eine kleine Hilfe für den Haushalt zu organisieren.


Diese geplante Pflegereform zeigt eine erschreckende soziale Kälte. Anstatt den pflegenden Angehörigen – die im Grunde unbezahlte, Vollzeit-Mitarbeiter des Staates sind – unter die Arme zu greifen, entzieht man ihnen Schritt für Schritt die Existenzgrundlage. Wenn ich Unternehmen in einem Vortrag über Generationenmanagement berate, zeige ich immer auf, wie sehr dieser Leistungsabfluss die Wirtschaft belastet, wenn eigene Mitarbeiter wegen der Pflege zu Hause ihre Arbeitszeit reduzieren müssen. Man nennt dieses Phänomen auch „Brain drain“ oder „Silent Outflow“. Erklärt sich damit von selbst. Hier bräuchte es betriebliche Innovationen, doch die Politik arbeitet mit dieser Pflegereform leider genau in die entgegengesetzte Richtung.


Strengere Einstufungen im Alter und der Mythos der Digitalisierung

Als wäre das nicht genug, dreht die Politik auch an den Stellschrauben der Begutachtung. Ab 2027 wird es deutlich schwerer, überhaupt einen Pflegegrad zu erhalten. Die erforderlichen Punktzahlen im Begutachtungsassessment werden angehoben. Das bedeutet im Klartext: Man muss im Alter körperlich noch viel eingeschränkter sein, um überhaupt Hilfe zu bekommen. Menschen mit kognitiven oder psychischen Einschränkungen fallen damit wieder schneller durchs Raster.


Als „Lösung“ präsentiert das Pflegeneuordnungsgesetz digitale Innovationen wie ein „Pflegecockpit“. Doch wer soll dieses Cockpit bedienen? Viele hochaltrige Menschen im fortgeschrittenen Alter haben weder Internet noch die technischen Voraussetzungen, um komplexe digitale Anträge zu steuern. Hier zeigt sich die ganze Realitätsferne dieser Reform. Ohne menschliche Begleitung und professionelle Beratung wird diese Digitalisierung scheitern. In meinem nächsten Vortrag spreche ich diese Barrieren im Alter ganz gezielt an.


Fazit: Die Pflegekrise lässt sich nicht wegreformieren

Die Pflegekrise in Deutschland ist hausgemacht. Es fehlt an allen Ecken und Enden an Personal. Um neue Fachkräfte zu gewinnen, bräuchte es echte soziale Innovationen bei den Arbeitsbedingungen und der Bezahlung. Doch statt die Arbeitsplätze für professionelle Mitarbeiter attraktiver zu machen, verlagert diese Pflegereform die Lasten noch weiter ins Private – bei gleichzeitiger Kürzung der Mittel. Auch die Abschaffung der 100.000-Euro-Einkommensgrenze für den Elternunterhalt ist ein sozialer Rückschritt. Kinder werden im Alter wieder viel schneller für die Heimkosten ihrer Eltern herangezogen.


Dieses Pflegeneuordnungsgesetz ist keine Lösung für die Pflegekrise, sondern ein reines Einsparprogramm. Wie ich in fast jedem Vortrag betone: Pflege ist kein Randthema, sondern ein Megatrend, der uns alle betrifft. Für Unternehmen bedeutet das: Pflege ist kein persönliches Schicksal, sie ist auch ein unternehmerisches Risiko. Wir müssen jetzt handeln. Jede neue Pflegereform muss die Mitarbeiter – ob professionell oder familiär – entlasten und dafür sorgen, dass genügend Fachkräfte im System bleiben. Nur mit echten Innovationen können wir die Würde der älteren Generation sichern.


Wenn Sie dieses Thema auch in Ihr Unternehmen oder Ihre Organisation tragen möchten, buchen Sie gerne meinen Vortrag zu den Auswirkungen dieser Reform. Lassen Sie uns gemeinsam für eine menschliche Pflege der Zukunft kämpfen!

 


 
 
 

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